Die Zahl der Breitbandanbindungen in Deutschland ist stark gestiegen. Im Juni 2006 zählte die Europäische Kommission hier fast 13 Millionen Breitbandanschlüsse, 2003 waren es nicht einmal vier Millionen. Mit einer Breitbandpenetrationsrate von inzwischen 15,2 Prozent liegt die Bundesrepublik leicht oberhalb des Durchschnitts der 25 EU-Mitgliedstaaten.
In anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Hochleistungsanschlüsse noch schneller gewachsen: Fast 70 Millionen gibt es in der EU. Die größten Fortschritte haben in den letzten Jahren die Niederlande und Dänemark gemacht. Dort finden sich heute gemessen an der Zahl der Haushalte die zweit- beziehungsweise drittmeisten Breitbandanschlüsse, erklären die Marktbeobachter des European Information Technology Observatory.
Deutschland ist ein DSL-Land
Auch in Ländern wie Schweden, Belgien, Finnland, Frankreich oder Großbritannien ist die Breitbandpenetration sehr viel höher, die Technologie prägt dort die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung stärker als in Deutschland. „All diese Länder haben den Vorteil, dass es dort einen ausgeprägten Wettbewerb zwischen Fernsehkabelnetzen und DSL gibt“, sagt Franz Büllingen vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste in Bad Honnef.
Deutschland ist dagegen ein DSL-Land. Vor allem in dieser Technologie hat die Breitbandpenetration in Deutschland in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. 97 Prozent der Breitbandsurfer nutzen DSL. Im Vergleich der führenden europäischen Industrienationen weist Deutschland damit den geringsten Anteil an alternativen Breitbandinfrastrukturen auf.
Dünnes Netz jenseits der Ballungsräume
Da mit DSL in Deutschland nicht alle Haushalte angebunden werden können und alternative Zugangstechnologien noch nicht intensiv genutzt werden, ist auch die Verfügbarkeit von Breitband-Internet noch längst nicht in allen Regionen gegeben. Der Breitband-Atlas, in dem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die Verbreitung der Zugangstechnologie dokumentiert, weist entsprechend noch etliche weiße Flecken in der Breitband-Versorgung auf.
„Alternativen zur dominanten DSL-Technik werden bisher fast nur in den ohnehin gut versorgten Ballungsräumen angeboten. Eine Verbesserung in der Verfügbarkeit in der Fläche wird damit bisher kaum erzielt“, erläutert Arne Koerdt von der Plan Online GmbH, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Breitbandentwicklung in Deutschland beobachtet.
Vor allem in ländlichen Regionen vermissen Verbraucher und Unternehmen entsprechende Angebote. Die Telekommunikationsanbieter erklären ihnen häufig, dass sich die Angebote in diesen Gebieten nicht rechnen.
Es gibt viele Alternativen
Allerdings müssen sich Gemeinden ohne DSL-Anbindung nicht damit abfinden, von der Entwicklung abgekoppelt zu werden. „Es bestehen mannigfaltige Alternativen, die auch sofort einsetzbar sind“, sagt der Geschäftsführer des eco Verbandes der deutschen Internetwirtschaft, Harald A. Summa. Kommunen, Unternehmen und Bürger in DSL-unterversorgten Regionen sollten sich ihm zufolge verstärkt nach alternativen Technologien umsehen.
Wie das geht, zeigt unter anderem das Beispiel Osterholz-Scharmbeck. Softwarefirmen und andere Unternehmen hatten sich in der größtenteils mit DSL gut versorgten Gemeinde bei Bremen im „NETZ – Zentrum für innovative Technologie“ angesiedelt. 2003 stand die Gemeinde vor dem Problem, dass diese jungen Unternehmen Breitbandanschlüsse brauchten, aber ausgerechnet das Gründerzentrum, in dem sie angesiedelt sind, kein DSL bekommen konnte.
Also suchten Wirtschaftsförderer der Gemeinde nach technischen Alternativen – und fanden sie im Februar 2005: Das Technologie- und Gründerzentrum wird über eine Richtfunkantenne an die Datenautobahn angeschlossen. 12,5 Kilometer Luftweg bis zu einem Zugangspunkt in Bremen legen die Bits und Bytes dabei zurück. „Das Signal nutzen die Mieter unseres Hauses “, führt NETZ-Geschäftsführer Per Beiersdorf aus. „Über ein verschlüsseltes Funknetzwerk sind zudem die Unternehmen in der Nachbarschaft vernetzt.“
Ihre Erfahrungen mit der Alternativ-Technologie wollen die Niedersachsen durch die Einrichtung eines Kompetenzzentrums Breitband auch mit anderen Regionen teilen. Der Wissensaustausch ist notwendig, denn vielerorts fehlt Kommunen und Unternehmen noch das entsprechende Know-how.
Mittel stehen bereit
Oft ist auch die Finanzierung von Breitbandinitiativen eine offene Frage. Der Spielraum der Kommunen und der Länder ist regional unterschiedlich groß, doch auch Mittel der Europäischen Kommission stehen bereit. Sie stellt Geld aus den EU-Strukturfonds zur Förderung von Breitbandinfrastrukturen zur Verfügung.
Insbesondere mit der neuen Förderperiode ab 2007, in der der strategische Fokus auf den Kommunikationstechnologien liegt, eröffnet dieses Verfahren Kommunen neue finanzielle Möglichkeiten. „Der Fonds für die ländliche Entwicklung verfügt für 2007 bis 2013 über Mittel in Höhe von 70 Milliarden Euro, hinzu kommen die Mittel der Mitgliedsstaaten“, so die für ländliche Entwicklung zuständige EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel.
Um auf diese Ressourcen zugreifen zu können, müssen die lokalen Behörden auf Grundlage ihrer Entwicklungspläne ein gemeinschaftliches Förderkonzept mit der EU erarbeiten. Als Ergänzung zu den Projektbudgets der Kommunen oder beteiligter Unternehmen und etwaigen Zuschüssen von Land und Bund bietet die EU eine Ko-Finanzierung von bis zu 80 Prozent des Vorhabens an. Interessierte Unternehmen und Kommunen können sich an die EU-Beauftragten ihres Bundeslandes oder ihrer Region wenden.
